75 Jahre Darmstädter Bildstellen

75 Jahre Medienpädagogik und -technik für den regionalen Bildungsbereich


Viele Höhen und Tiefen sowie Besonderheiten in Status, Unterbringung, Personal und Ausstattung kennzeichnen die Darmstädter Bildstelle in nunmehr 75 Jahren.

Hoffnungsfroh als "Hessische Bildstelle" 1923 gegründet und ein Jahrzehnt später als Landesbildstelle Hessen (zugleich Stadt- und Kreisbildstelle für Darmstadt) fortgeführt, kam der absolute Tiefpunkt mit ihrer totalen Zerstörung in der Brandnacht vom 11./12. September 1944 beim Angriff alliierter Bomberverbände auf Darmstadt. Da fast nichts gerettet wurde und auch alle Akten über die Bildstelle in den vorgesetzten Darmstädter Behörden verbrannt waren, bleiben notgedrungen einige Lücken und Unklarheiten in der nachfolgend erzählten Geschichte der Bildstelle vor 1944 bestehen. In mühevoller Kleinarbeit wurden die noch vorhandenen Quellen gesichtet und wenigstens einige Ereignisse ließen sich zeitlich korrekt einordnen.

Obwohl die Darmstädter Bildstelle eine der ersten in Deutschland war, sind auf dem Gebiet des heutigen Landes Hessen zwei Bildstellen älter: Die Bildstelle in Offenbach wurde bereits 1913, diejenige in Kassel schon 1917 eingerichtet. Während in diesen doch schon relativ lang bestehenden Bildstellen bisher nur drei bzw. vier Leiter tätig waren, muß es mindestens 11(!) Darmstädter Bildstellenleiter ( darunter mehrere ohne Lehrer-Status ) gegeben haben. Auch die Zahl der Umzüge dürfte für eine Bildstelle ungewöhnlich hoch sein: Es gab mindestens 9 Umzüge in 9 verschiedene Dienstgebäude; das Gebäude in der Havelstr. 7 wurde zweimal bezogen!

Bevor wir uns im Detail mit der Geschichte der Darmstädter Bildstelle befassen, wollen wir aber noch etwas weiter zurückblicken, da die Anfänge des Einsatzes von Bild, Ton und Film im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich schon etwa ein Jahrhundert zurückliegen.

ANFÄNGE IM KAISERREICH


Von der technischen Seite her waren in den achtziger Jahren Bildvorführungen und ab Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts bereits Filmvorführungen möglich geworden. Aber erst unmittelbar nach der Jahrhundertwende wurden ernsthafte Versuche unternommen, das Niveau des Films so anzuheben, daß er im Schulunterricht Verwendung finden konnte. Der um 1912 entstandenen Fachpresse für Schulkinematographie gelang es schließlich auch, Kommunalverbände und Städte immer stärker für die Arbeit mit dem Lehrfilm zu gewinnen.

Von der preußischen Unterrichtsbehörde wurde allerdings mit Erlaß vom 17. Februar 1914 die Verantwortung für den Einsatz moderner technischer Unterrichtsmittel zunächst ganz auf die Schulen bzw. die Lehrkräfte abgeschoben. Hauptsächlich Biologie- und Physiklehrer begannen daher in der Folgezeit, bessere Anschauungsmittel für den Unterricht herzustellen. Ausschlaggebend für die positive Resonanz war sicher auch, daß gerade in diesen Jahren überall der elektrische Strom Eingang in die Schule fand.

In Berlin wurde 1915 das "Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht" gegründet, das noch während des 1. Weltkriegs Ostern 1917 in Stettin einen Lehrgang über die Lichtspielreform veranstaltete. Im Juli 1917 erging dann auch schon ein Aufruf zur Gründung eines "Bilderbühnenbundes deutscher Städte", der am 1. April 1918 seine Arbeit aufnahm.

IN DER WEIMARER REPUBLIK


1919 wurde in Berlin die Bildstelle im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht geschaffen, und bereits 1920 fand in der Reichshauptstadt die erste "Deutsche Bildwoche" statt, bei der Pädagogen aus ganz Deutschland den Einsatz des Films in der Schule diskutierten. Ebenfalls in Berlin wurde 1921 der "Deutsche Lichtspielbund" von Dr. Walter Günther gegründet, der ab 1923 auch die Fachzeitschrift "Der Bildwart" herausgab.

In diesen Nachkriegsjahren war man auch im gerade entstandenen "Volksstaat Hessen" nicht untätig in Bezug auf die Hereinnahme von Bild und Film in die Kulturarbeit.

Unter Leitung von Schulrat Hassinger wandte sich die "Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen" von Anfang an mit großer Aufmerksamkeit dem Lichtbild- und Filmwesen zu und veranstaltete mit Unterstützung der "Ufa" Vorführungen von Lehrfilmen in Darmstadt, Mainz und Gießen. 1920 richtete sie das "Hessische Landeswanderkino" (später "Hessische Bilderbühne" genannt) ein, das die Aufgabe hatte, in Schulen und Vereinen "gute" Filme vorzuführen. Seine Leitung lag in den Händen von Lehrer Jöckel, der einige hundert Vorführungen veranstaltete.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1923 konnte dann bei der Zentralstelle endlich die Abteilung "Bildstelle" eingerichtet werden. Diese "Hessische Bildstelle" war im heute nicht mehr existierenden Marstallgebäude ( Mathildenplatz 17 ) untergebracht. Studienassessor Maurer, der erste Bildstellenleiter, verlieh dort einen bescheidenen Grundstock von Dia-Serien mit begleitendem Vortragstext und einige Projektoren gegen geringe Gebühr an Schulen und zu Volksbildungszwecken.

Nach Maurers Weggang zum Ende des Schuljahres 1924/25 übertrug man die Leitung der Bildstelle verlegenheitshalber dem ehemaligen großherzoglichen Hofkapellmeister, Herrn Hofrat Ottenheimer. Herr Ottenheimer leitete die Bildstelle nur kurz und trat am 1. April 1927 in die Opernschule bei der "Städtischen Akademie für Tonkunst" über. Zu seinem Nachfolger wurde ein Inspektor Brambach bestimmt, der gleichzeitig die Geschäftsstelle des Gaues Südhessen im Verband für deutsche Jugendherbergen versah - mit Sicherheit war er ebenfalls kein Lehrer.

Wie lange Herr Brambach die Bildstelle leitete, ließ sich nicht mehr feststellen. Wahrscheinlich war sein unmittelbarer Nachfolger bereits Schulrat Heinrich Lorentz, der - noch vor seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Landesbildstellenleiter - die Darmstädter Dienststelle seit 1929 nebenamtlich von Lauterbach aus geführt hat.

Schon Anfang dieses Jahrhunderts war Heinrich Lorentz als Leiter des Vorseminars für Lehrerbildung in Lich ein begeisterter Anhänger der Film- und Bildarbeit. Er übernahm im Gründungsjahr der Hessischen Bildstelle das Kreisschulamt Lauterbach und drehte noch im gleichen Jahr einen Film über den Vogelsberg, gründete 1924 die Kreisbildstelle Lauterbach, beschaffte eine Wanderkinomaschine und war mit einem Kollegen ständig unterwegs, um in Schulen und in Abendvorstellungen mit volksbildnerischen Absichten für Erwachsene Filme vorzuführen. Seine Erfolge regten u.a. die Lehrer Kochhafen und Schnierle zur Gründung der Bildstelle Büdingen ebenfalls noch im Jahr 1924 an.

Berichte über diese aufsehenerregenden Neuerungen im "Hessischen Sibirien" ließen in der damaligen Landeshauptstadt aufhorchen, und die Hessische Bildstelle veranstaltete im Juli 1925 in Darmstadt erstmals eine größere öffentliche Veranstaltung, die sogenannte Bildtagung. An diesem Ausbildungslehrgang nahmen etwa 30 Lehrkräfte aus Hessen teil. Neben Heinrich Lorentz, dem hessischen Fachmann auf dem Gebiet des Bildwesens, der sich für die Einrichtung von Bildstellen in allen Kreisen des hessischen Raumes einsetzte und deren Aufgaben klar umriß, referierte auch der Leiter der Bildstelle des Zentralinstituts in Berlin, Prof. Dr. Lampe, über "Wandbild und Lichtbild im Schulunterricht" und Herr Dr. Walter Günther machte "Bemerkungen über öffentliche Aufgaben im Kulturfilmwesen".

Eine im Anschluß an die Darmstädter Bildtagung im Jahr 1926 herausgebrachte "Flugschrift der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege im Volksstaate Hessen" (Auflage 12 000), die u.a. Vorschläge von Heinrich Lorentz zur allgemeinen Einführung und planmäßigen Verwendung des Lichtbildes und des Films in den Schulen enthält ("... die Schulen (Kinder und Jugendliche) gehören nicht ins Kino, aber der Kinoapparat gehört in die Schulen ..."), wurde allerdings nur wenig beachtet. Die wirtschaftliche Ungunst der damaligen Zeit mit der beginnenden Arbeitslosigkeit lastete schwer auf der gesamten Kultur- und Bildungsarbeit.

Der hessische Staatspräsident Dr. Adelung wurde aber aufmerksam und erließ eine Verfügung, daß alle Kreisdirektoren, Schulräte und Oberbürgermeister der Städte, wenn Schulrat Lorentz, als Fachberater des Kultusministeriums auf dem Gebiet des Lichtbildwesens, wegen Gründung von Kreisbildstellen mit ihnen in Verbindung träte, seinen Vorschlägen weitestgehend entgegenkommen sollten.

Auf Betreiben des unermüdlichen Lorentz wurden 1929 nochmals 54 Lehrkräfte (je 3 aus den 18 Kreisen des Volksstaats Hessen) zu einem Ausbildungskurs nach Lauterbach einberufen. Die Teilnehmer dieses dreiwöchigen Kurses sollten als Leiter, Geschäftsführer oder Mitarbeiter hessischer Bildstellen tätig werden. Da der 35 mm-Normalfilm feuergefährlich war (das alte Filmträgermaterial aus Nitrocellulose war leicht entflammbar) und damals nur mit dem Koffergerät "Knirps" der Firma Knetsch-Breslau in ungeschützten Räumen (Schulräume, Wirtssäle) vorgeführt werden durfte, mußten gleichzeitig die Kursteilnehmer als Kinovorführer ausgebildet werden und die Vorführerprüfung ablegen. Nach Beendigung des Lehrgangs fuhren daher alle Teilnehmer zur Technischen Hochschule in Darmstadt, wo sie im Physikalischen Institut vor der Prüfungskommission, der auch "der Alte mit dem Barte" (Lorentz) angehörte, dieser Bestimmung nachkamen.

Auch Fortschritte in der Filmtechnologie brachten in den folgenden Jahren das Bildstellenwesen voran: Bereits 1929 ( vorgestellt auf der deutschen Bildwoche in Dresden und der Lehrfilmkonferenz in Wien) gab es für den neu entwickelten 16 mm - Sicherheitsfilm erste handliche Stummfilmprojektoren, die jetzt ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen im verdunkelten Klassensaal zu betreiben waren. Damit rückte die alte Forderung, spezielle Unterrichtsfilme sollten in den Schulen das "Kino" ersetzen, in den Bereich des Erfüllbaren. Daß sich in der Folge der 16-mm-Schmalfim ebenso rasch durchsetzte wie das neue Kleinbildformat 24x36 mm, das als 5x5 cm-Dia das alte 8,5x10 cm-Format ablöste, ist auch hauptsächlich der bereitwilligen Mitarbeit der Bildstellen und ihrer grundsätzlichen Abkehr von aufwendigen Großformaten zu danken.

Am 31. März 1933 schied dann auch Heinrich Lorentz endgültig aus der Schulaufsicht aus und übernahm hauptamtlich die nunmehr in Landesbildstelle umgetaufte Hessische Bildstelle in Darmstadt.

IN DER  NS-ZEIT

Die Kulturhoheit der Länder wurde schon kurz nach der Machtübernahme der Nazis aufgehoben und am 1. Mai 1934 das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung RMfWEV geschaffen.

Zu einer der ersten Maßnahmen des neuen Erziehungsministers Rust gehörte der Reichserlaß zur Errichtung von Bildstellen vom 26. Juni 1934 ( R K 5020 U II, Unterrichtsfilm und amtliche Bildstellen). Durch entsprechende Verfügung der Hessischen Landesregierung aufgrund dieses Erlasses  wurde Heinrich Lorentz beauftragt, den Neuaufbau der Landesbildstelle Hessen in Darmstadt und der zugehörigen Kreisbildstellen ( Alzey/ Bingen/ Worms/ Oppenheim/ Mainz-Stadt/ Mainz-Land// Darmstadt-Stadt/ Darmstadt-Land/ Groß-Gerau/ Bensheim/ Heppenheim/ Erbach/ Offenbach-Stadt/ Offenbach-Land/ Dieburg// Friedberg/ Gießen/ Alsfeld/ Lauterbach/ Schotten/ Büdingen) durchzuführen. Für Stadt und Landkreis Darmstadt übernahm die Landesbildstelle Hessen zugleich die Aufgaben einer Stadt- und Kreisbildstelle.

Unter der Leitung der am 28. Juli 1934  gegründeten "Reichsstelle für den Unterrichtsfilm" RfdU entstanden in Deutschland zunächst 24 Landesbildstellen (später nach Vergrößerung des Reichsgebiets waren es 36), denen insgesamt etwa 850 Stadt- und/oder Kreisbildstellen unterstellt waren. Der rasche Aufbau der neuen Strukturen war aber nur möglich, weil man auf die bereits seit den zwanziger Jahren bestehenden Institutionen zurückgreifen konnte. Der Name RfdU besagt schon, daß der (stumme 16-mm-)Unterrichtsfilm sowie die Versorgung der Schulen mit Schmalfilmprojektoren und nicht das Lichtbild Schwerpunkte der Arbeit in der neuen Institution waren. Die Herstellung von Dia-Reihen war für die RfdU zunächst nicht so wichtig, da die Schulen bzw. Bildstellen in dieser Hinsicht bereits relativ gut ausgestattet waren. Um der schließlich doch erfolgten Ausweitung ihres Tätigkeitsbereiches über den Unterrichtsfilm hinaus Rechnung zu tragen, wurde die RfdU im Februar 1940 in "Reichsanstalt für Bild und Film in Wissenschaft und Unterricht" RWU umbenannt. Dank der Rivalität zwischen NS-Erziehungs- und NS-Propagandaministerium konnte sie sich aber einen beträchtlichen Freiraum zur Produktion sachorientierter, unpolitischer Filme sichern, die erklärtermaßen nicht Erziehungs-, sondern ausschließlich Bildungszwecken dienten. Nach Kriegsende gaben die Alliierten dann auch die Schulfilme fast uneingeschränkt frei.

Personal- und Sachkosten für das ab 1934 dichte Bildstellennetz hatten die Kommunen zu übernehmen. Der Staat besoldete die Bildstellenleiter, überwiegend als Lehrer im Nebenamt. Das ist in Hessen und vielen Bundesländern bis heute so geblieben. Das Aufbringen der Mittel für Filme und Geräte legte der Erlaß mit dem monatlichen "Filmgroschen" den Eltern, seine Erhebung den Schulen auf. Hessen löste diese Elternverpflichtung 1953 im Zuge der Lernmittelfreiheit dahingehend ab, daß die Schulträger den Bildstellen für die Medienbeschaffung einen Jahresbetrag pro Schülerinnen und Schüler zuweisen. Seit vielen Jahren unverändert beträgt er gegenwärtig DM 3,20. Seit 1969 beschaffen alle Schulträger die AV-Geräte generell im Rahmen der allgemeinen Schulausstattung - in der Regel unter Einschaltung der Bildstellen.

Nach dem Erreichen der Altersgrenze wurde H. Lorentz von seinem langjährigen Mitarbeiter, dem ehemaligen Lehrer Georg Lortz, mit Beginn des Jahres 1939 in der Leitung der Landesbildstelle abgelöst.

Mit Kriegsbeginn ging die Produktion von Unterrichtsfilmen und die Verteilung von Projektoren stark zurück. Die Bildstellen-Organisation blieb aber unverändert erhalten.

Anfang 1940 - mitten im 2. Weltkrieg - zieht die Landesbildstelle sogar von der Neckarstr. 3 in die Neckarstr. 10 um und nimmt ab 1. Mai 1940 wieder ihre volle Tätigkeit auf.( Wann der Umzug vom Mathildenplatz 17 in die Neckarstr. 3 stattgefunden hat, ließ sich leider nicht mehr feststellen; er muß aber vor dem Jahr 1935 erfolgt sein.)

Bei der Zerstörung unserer Stadt 1944 gingen mit allen Unterlagen der Landesbildstelle auch unersetzliche Archivbestände verloren. Dazu gehörten ca. 30 000 Negative wertvollster Art  (u.a. die künstlerische "Susanne-Hohmann-Sammlung", die naturwissenschaftliche "Haldy-Sammlung" und die "Sanitätsrat-Maurer-Sammlung" über Volkstum, Sitten und Gebräuche im Odenwald).

ENTWICKLUNG NACH  1945

Im Sommer 1945 bat man den hochbetagten Lorentz, ein drittes Mal (!) eine Landesbildstelle aufzubauen. Mit einem Tisch und einem Stuhl begann die Arbeit in einem Raum des Landesmuseums. Lorentz schreibt selbst über diese Zeit: " Die erste Arbeit war Sammel- und Feststellungsarbeit und Registrierung über den restlichen Bestand alles dessen, was draußen in den Kreisbildstellen noch vorhanden war. Dann kam der Neuaufbau im Benehmen mit dem für die amerikanische Zone genehmigten "Institut für den Unterrichtsfilm" in München. Der Aufbau geschah gleichmäßig über die gesamte amerikanische Zone. Er gestaltete  sich nicht leicht infolge des Fehlens der Geräte, des Rohmaterials, der teilweisen Zerstörung mancher Firmen oder deren Abtrennung, weil im russischen Besatzungsgebiet gelegen. Aber es ging allmählich wieder aufwärts; der Betrieb lief sich wieder ein, es konnte ein Photolabor eingerichtet werden, die Lücken im Geräte- und Filmbestand langsam wieder aufgefüllt, neue Lichtbilder beschafft werden. Aber in den zur Verfügung stehenden drei Räumen des Landesmuseums war die Bildstelle doch nicht so entwicklungsfähig, wie dies für eine Landesbildstelle erforderlich ist.

Nachfolger von Heinrich Lorentz wurde 1947 mit dem Lehrer Friedrich Eidenmüller ein langjähriger Mitarbeiter der Landesbildstelle. Er war der dritte und zugleich letzte Darmstädter Landesbildstellenleiter sowie der erste Leiter der "Stadt- und Kreisbildstelle Darmstadt". Das kam so: Da das Land Hessen nach dem 2. Weltkrieg aus der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem Volksstaat Hessen gebildet wurde, waren plötzlich 2 Landesbildstellen vorhanden, die eine mit Sitz in Frankfurt, die andere mit Sitz in Darmstadt. Schon 1946 wurde daher in Anbetracht notwendiger Sparmaßnahmen im hessischen Kultusministerium der Plan erwogen, die beiden Landesbildstellen zu einer einzigen Zentralbildstelle zu vereinigen. 1947 wird die Vereinigung angeordnet und Frankfurt zum Sitz der Landesbildstelle bestimmt. Gegen diese Anordnung des Kultusministeriums erhob das Darmstädter Regierungspräsidium Einspruch und es entbrannte ein etwa 2 Jahre dauernder Kampf um den Standort der neuen "Staatlichen Landesbildstelle Hessen". Am Ende trug dann doch Frankfurt den Sieg davon, und die Darmstädter Bildstelle blieb ab dem 14. 02. 1949 nur noch für die Stadt Darmstadt und den damaligen Landkreis Darmstadt zuständig.

Zum Betreungsbereich gehörten damals 63 Schulen mit etwa 17 000 Schülerinnen und Schülern, während heute von der Stadt- und Kreisbildstelle neben anderen Bildungseinrichtungen allein 47 staatliche Schulen in Darmstadt und 42 staatliche Schulen im Kreisteil Darmstadt des Landkreises DA-DI mit zusammen rund 40 000 Schülerinnen und Schülern betreut werden.

Den Grundstock der 1949 neu geschaffenen Stadt- und Kreisbildstelle bildeten gerettete Bestände aus der gut ausgestatteten Foto- und der technischen Abteilung der ehemaligen Landesbildstelle, die nicht nach Frankfurt gingen. Lehrer Eidenmüller konnte sogar noch einen Versuch der TH Darmstadt abwehren, diese zum ureigensten und typischsten Aufgabengebiet einer jeden Bildstelle gehörende Fotoabteilung für ihre Zwecke zu übernehmen, bevor er dann aus gesundheitlichen Gründen ausschied. Er wirkte aber noch viele Jahre nebenamtlich als Organist und Chorleiter der Pauluskirche sowie als geschätzter Instrumentalist im Orchester des Instrumentalvereins.

In dieser Zeit - genau am 6. März 1950 - entstand auch das "Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" FWU in Form einer gemeinnützigen GmbH quasi als demokratischer Nachfolger der 1945 als Nazi-Überbleibsel liquidierten RWU. Nachdem sich in den Besatzungszonen bereits verschiedene Nachfolgeorganisationen der RWU gebildet hatten, beschloß die Kultusministerkonferenz der 3 Westzonen 1949 die Bildung dieses gemeinsamen Instituts. Die Hauptaufgabe des FWU ist bis heute die Produktion audiovisueller Medien für den Bildungsbereich geblieben.

In Darmstadt fand sich 1950 zunächst kein neuer Bildstellenleiter, bis der bereits pensionierte Konrektor Karl Kochhafen - der frühere Mitbegründer der Büdinger Bildstelle - einsprang und unsere Bildstelle von 1950 bis 1956 leitete. Die Bildstelle war auch wieder einmal  am Umziehen: Zunächst war sie im 3. Stock der Diesterwegschule, ab 1955 im Städtischen Schulamt - Amerikahaus - in der Kasinostr. 3 untergebracht. Ihre Fotoabteilung erzielte schon bald beachtliche Umsätze, und ihre Arbeit für die Schulen in Verbindung mit er Produktion heimatkundlicher Dia-Reihen und Filme wurde allgemein anerkannt.

Weite Beachtung fand zudem die Organisation eines Film-Belieferungsdienstes für die Landkreisschulen mit einem Fahrzeug der Kreisverwaltung (1954). In diese Zeit reicht auch das Verwaltungsabkommen (Öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen der Stadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg über den Betrieb der Stadt- und Kreisbildstelle ) zurück, nach dem der Kreis ein Drittel der Kosten der von der Stadt Darmstadt betriebenen Bildstelle trägt - gemäß der anteiligen Schülerzahl.

Die Behauptung, ihre Leistung sei noch zu steigern, führte 1957 zur Zuordnung der Bildstelle zum "Büro für Unterrichtshilfen" BfU, einer damals zwar in Deutschland, nicht aber in den USA einmaligen Einrichtung. Da der Leiter des BfU, der Biologe Dr. Ackermann, in Personalunion auch Bildstellenleiter war, gab es auf diesem Posten für etwa ein Jahrzehnt keinen Pädagogen!

Die biologisch ausgerichtete Konzeption des Büros kulminierte im eindrucksvollen Aufbau des Vivariums, einem kleinen zoologischen Garten am östlichen Rand der Stadt.

Der neuartige Rahmen änderte jedoch nichts an dem schulgesetzlichen Auftrag der Bildstelle, als nach wie vor wichtigste Zentrale alle Unterrichtsfächer mit audiovisuellen Medien zu versorgen.

Nach dem Umzug in die Havelstr. 7 (1964) eröffnete die von vielen kommunalen Dienststellen in Anspruch genommene Fotoabteilung ein Lehrlabor für Foto-Arbeitsgemeinschaften. Ab 1965 wurde der Medien-Belieferungsdienst für die Stadtschulen durch ein Vivariumsfahrzeug aufgenommen - ein Dienst, der in dieser Form bis heute fortgeführt wird, obwohl Bildstelle und Vivarium seit über einem Jahrzehnt verschiedenen Ämtern zugeordnet sind. 1966 berief man - dem damaligen Schulverwaltungsgesetz entsprechend - mit dem langjährigen pädagogischen Mitarbeiter, dem Realschullehrer Hans Walter, endlich wieder einen ausgebildeten Pädagogen zum Bildstellenleiter.

Erhebliche, aus dem Filmaufkommen abgezweigte Beträge ermöglichten es bis 1969, jeder Schule einen Filmprojektor als Dauerleihgabe zuzuweisen. Durch engagierten mobilen Einsatz des geringen Eigenbestandes ließ sich die Geräteausbildung der Lehrer intensivieren. Medienkurse für die Studienseminare mit dem integrierten, bis heute obligatorischen Kurs zum Erwerb des Filmvorführscheins erweiterten das pädagogische Wirken.

Nach der Versetzung von Hans Walter in den Ruhestand, löste ihn 1969 der Realschullehrer Jakob Geiß ( Fächer: Biologie/ Erdkunde/ Englisch) in der Leitung der Bildstelle ab, die er bis zu seiner eigenen Pensionierung 1987 fast zwei Jahrzehnte innehatte. Es war eine in mehrfacher Hinsicht fruchtbare Zeit für die Bildstelle. Jakob Geiß gelang es im Laufe der Zeit, die Eigenständigkeit der Bildstelle nicht nur zu bewahren, sondern durch sein engagiertes Tun den Sonderstatus der kommunalen Einrichtung Bildstelle auch für jedermann deutlich herauszustellen. Da die ungewöhnliche Konstruktion des BfU eigentlich auch nie so recht funktionieren wollte, wurde sie folgerichtig und zum Glück für die Bildstelle schließlich kurz vor dem Ende der Dienstzeit von Herrn Geiß Anfang 1987 aufgegeben. Die erneute und sicher sinnvolle Zuordnung zum Schulamt der Stadt im Rahmen einer allgemeinen Ämterumverteilung führte trotz aller Proteste nicht nur seitens des Bildstellenleiters aber auch zum schmerzlichen und unwiederbringlichen Verlust des Fotolabors, das vorher sowieso schon fast ausschließlich für Zwecke des Vivariums genutzt worden war. Es wurde zunächst zusammen mit dem Fotografen dem Zuständigkeitsbereich des Kulturamtes überstellt und inzwischen ganz aufgelöst. So ist die Darmstädter Bildstelle nach dem Willen ihres Trägers eine der wenigen Einrichtungen ihrer Art, die nicht mehr über ein so traditionelles Instrument verfügen darf.

In die Bildstellenleiterzeit von Herrn Geiß fallen nicht nur zwei Umzüge (1974 von der Havelstr. 7 in die Luisenstr.6 (Seitengebäude des ehemaligen Hotel Traube) und 1979 wieder zurück in die Havelstr. 7) sondern auch ein gewaltiger Anstieg in der Zahl der archivierten Medien und der Entleiher. Die vervielfachten komplexen Verleihvorgänge stellten gelegentlich kaum lösbare Anforderungen an die gleich gebliebene Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch neue Medienarten kamen zunehmend in den Verleih, wie 8 mm-Filme (meist in Form von kurzen Arbeitsstreifen) ab 1968, Tonbildreihen ab 1971, Medienpakete und erste  Videobänder (zunächst im heute längst vergessenen VCR-Format) ab 1974 oder Transparentstreifen für die Overhead-Projektion ab 1980.

Ein großes Problem wurden die Anfang der 70er Jahre mit großer Euphorie an vielen Schulen eingerichteten Sprachlabore. Sie waren in Anschaffung und Wartung sehr teuer. Als ihr Nutzen durch veränderte pädagogische Zielsetzungen mehr und mehr in Frage gestellt wurde und bei immer stärker zunehmenden Schülerinnen- und Schülerzahlen dringend benötigten Schulraum in Anspruch nahmen, richtete man keine neuen mehr ein, und sie wurden bis heute fast überall abgebaut. Die Sprachlabore waren vielleicht der einzige, allerdings unverschuldete "Flop" in der bisherigen Bildstellengeschichte, da ja die Lehrerinnen und Lehrer sie gefordert hatten, und der Schulträger ihre Beschaffung veranlaßt hatte.

Für die Darmstädter Bildstelle war mit dem Abbau der Sprachlabore aber dennoch etwas sehr Positives verbunden. Für die Wartung der Sprachlabore war zunächst eine halbe Technikerstelle eingerichtet worden, die in Anbetracht der zunehmenden Computerisierung der Schulen letztlich in eine ganze Stelle umgewandelt wurde mit der Option, daß der Stelleninhaber bei abnehmender Sprachlaboranzahl sich zunehmend mit der Reparatur und Wartung von Schulcomputern befassen sollte. Das hat in der gewünschten Weise hervorragend funktioniert, was nicht zuletzt auch dem derzeitigen Stelleninhaber (Herr Holschuh) zu verdanken ist, und wir sind damit wohl hessenweit die einzige Bildstelle, die diesen Service mit großem Erfolg anbietet. Hier sei der Stadt Darmstadt und dem auch dabei beteiligten Landkreis für diese zukunftweisende Entscheidung einmal Dank gesagt sowie Herrn Geiß, der nicht nur bei dieser Personalentscheidung eine glückliche Hand hatte und seinem Nachfolger insgesamt ein hervorragendes Bildstellenteam hinterlassen hat.

Mit Beginn des Schuljahres 1987/88 konnte dann der Gymnasiallehrer Ulrich Bendel (Fächer: Biologie/Chemie) auch eine bestens durchorganisierte Bildstelle übernehmen, in deren Arbeit er als pädagogischer Mitarbeiter und designierter Nachfolger des Bildstellenleiters  - ebenfalls auf Initiative von Jakob Geiß - bereits seit 1985 Einblick nehmen durfte.

Zum Team der Bildstelle gehören heute neben dem oben erwähnten Computerspezialisten auch noch ein weiterer langjährig erfahrener Medientechniker, der für den gesamten AV-Gerätebereich zuständig ist (Herr Wießmann), zwei versierte Bedienstete in Disposition und Verleih (Frau Schmidt de Marquez und Herr Wolf), im Verwaltungsbereich ein Fachmann für Haushalt, EDV-Systemverwaltung, Geräteverleih und Betreuung des Videoschnittplatzes (Herr Kißner) sowie im Vorzimmer halbtags eine Bürofachkraft (Frau Weber).

Der vom Vorgänger bereits mit großer Zielstrebigkeit begangene Weg der zunehmenden Einbindung des außerschulischen Bildungsbereichs (Jugend- und kirchliche Gruppen, Kindergärten, Evangelische Fachhochschule, Fachbereiche von FH und TH bzw. TU , Vereine u.ä.) wurde bis heute verstärkt weiterverfolgt.

Ein ebenfalls schon von Herrn Geiß ins Auge gefaßtes Projekt, konnte nach langer Vorlaufzeit und nur mit finanzieller Unterstützung der Firma Merck, die DM 10 000,- beisteuerte, 1995/96 endlich verwirklicht werden: ein mehrplatzfähiges EDV-gestütztes Verleih- und Informationssystem (MEDIO mit SINIX-Z ). Mit dieser Anlage ist u.a. auch ein rascher Datenabgleich mit der neuen "Zentralstelle Medien, Daten und Informationen" ZMDI in Frankfurt (früher: "Staatliche Landesbildstelle Hessen" LABI ) und die Erstellung eines jederzeit aktuellen eigenen Katalogs möglich . Die unzeitgemäßen Karteikartenbehälter gehörten damit endgültig der Vergangenheit an.

Der nach wie vor wachsenden Bedeutung von Video im Bereich aktiver Medienarbeit wurde um 1990 zunächst durch Einrichtung eines etwa DM 20 000,- teuren analogen S-VHS/VHS-Videoschnittplatzes Rechnung getragen, was ohne entsprechende Unterstützung des damaligen Schuldezernenten und jetzigen Oberbürgermeisters Peter Benz nicht machbar gewesen wäre. Ende 1997 konnte aus eigenen Mitteln zusätzlich ein moderner digitaler Schnittcomputer ("Casablanca") angeschafft werden.

Ein großer Renner im Geräteverleih sind seit einigen Jahren die nicht gerade billigen Videoprojektoren. Die gegenwärtig vorhandenen 4 Geräte sind fast immer ausgeliehen.

Dem neuen Medium Computer wird in vielfältiger Weise Rechnung getragen. Mit Hilfe eines aus staatlichen Mitteln über die Landesbildstelle/ZMDI angeschafften Multimediacomputers kann z.B. Interessenten die in der Regel nicht ausleihbare didaktische Software (Disketten oder CD-ROMs) diverser Anbieter für anstehende Kaufentscheidungen zugänglich gemacht werden. Über die GMD in Darmstadt, der hiermit öffentlich Dank gesagt sei, verfügt die Bildstelle seit mehr als 2 Jahren über einen kostenlosen Internet-Zugang, der natürlich auch von Interessenten aus dem Bildungsbereich nach Vereinbarung genutzt werden kann. Demnächst wird die Bildstelle zusätzlich über eine Mailbox auf der Basis eines Linux-Rechners verfügen.

Ein Umzug blieb auch dem jetzigen Bildstellenleiter nicht erspart. Nachdem zunächst zwei von der Stadt Darmstadt beabsichtigte Umzüge in - aus Bildstellensicht - völlig unzureichende Räumlichkeiten ( Keller der Kyritz-Schule bzw. 1. Stock der Friedrich-Ebert-Schule) mit Glück und Geschick verhindert werden konnten, zog man im Frühjahr 1997 (leider in mehreren Etappen) ins Erdgeschoß des neu erbauten Stadthauses in der Frankfurter Str. 71, da der Standort in der Havelstr. 7 für städtische Dienststellen komplett aufgegeben wird. Abgesehen von einem allgemeinen Mangel an Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Stadthauses dürfte dies aber die bisher beste Form der Unterbringung unserer Institution seit ihrer Gründung sein. Auf einer Gesamtfläche von etwa 600 qm (mit Kellerräumen) ist hoffentlich genügend Platz für den Bedarf an Stellfläche in den kommenden Jahren. Die technische Ausstattung des Gebäudes ist jedenfalls vom Feinsten.

AUSBLICK

Moderne elektronische Medien sind seit Jahren auf dem Vormarsch - von den einen verteufelt, von anderen abgöttisch geliebt. Das lief aber Anfang dieses Jahrhunderts mit dem (Kino-)Film im Prinzip nicht anders. Welche Bedeutung und welche technische Konfiguration ( CD-ROM, DVD, Internet, ...?) die Bildschirmmedien in Zukunft haben werden, läßt sich auch nur erahnen. Wir müssen aber mithelfen, die vorhandenen neuen Medien auf ihre schulische oder kommunikative Verwertbarkeit hin kritisch zu überprüfen und gegebenfalls auch zu verwerfen. Eine sinnvolle Nutzung modernster elektronischer Medien zur Verbesserung des Unterrichts ist in Teilbereichen mit Sicherheit gegeben.

Nicht alles was neu ist, muß aber auch gut und alles alte gleich schlecht sein. Auch traditionelle Medienarten wie der 16 mm-Film und das Dia sollten heute nicht unterschätzt werden.

So wird der schon oft totgesagte 16 mm-Film auch bis ins nächste Jahrtausend hinein für den Unterricht in der S1 und besonders in der außerschulischen Jugendarbeit von Bedeutung sein. Dafür spricht die auch im Zeitalter des Videoprojektors bisher unübertroffene Bildqualität des Films, die nach wie vor gute Ausstattung der Schulen mit Schmalfilmprojektoren und nicht zuletzt die großen Bestände in den Bildstellen. Allein in unserem Verleiharchiv befinden sich noch über 6 300 Schmalfilmkopien mit einem geschätzten Neuwert von über 4 Millionen DM und in jedem Jahr kommen noch zahlreiche neue FWU-Unterrichtsfilme und Spielfilme meist anderer Anbieter hinzu. Natürlich läßt sich auch aus unseren Verleihzahlen ablesen, daß die Zahl der Verleihvorgänge im 16 mm-Bereich seit Jahren rückläufig ist, im Videobereich (eigener Bestand an VHS-Videos gegenwärtig ca. 4 000; jährlicher Zuwachs mehrere hundert Kopien) dagegen ansteigt.

Der Gesamtbestand an verleihbaren AV-Medien liegt gegenwärtig bei mehr als 17 000 Kopien. Tonbänder, Schallplatten und der 8 mm-Film spielen allerdings seit Jahren keine Rolle mehr und auch der Verleih bei Dia-Reihen ( Bestand über 3 000 mit etwa 50 000 Einzeldias) ist leider rückläufig. Selbst Tonkassetten sind fast kein Verleihmedium mehr, wenn man von regelrechten Schulfunk-Fans absieht, die dieses Medium regelmäßig nutzen. Die Anforderungen an den Verleih einer Bildstelle ändern sich halt laufend.

Das gesamte hessische Bildstellenwesen befindet sich zusammen mit dem Schulwesen gegenwärtig in einer Phase des Umbruchs und der Neuorientierung. Nicht nur die die Fachaufsicht über die hessischen Bildstellen ausübende ZMDI muß nach dem Aufgehen der Landesinstitute HILF, HIBS und LABI im "Hessischen Landesinstitut für Pädagogik" HeLP ihre genaue Rolle im neuen Beziehungsgeflecht erst finden. Auch die nach wie vor kommunale Bildstelle muß sich zusammen mit anderen kommunalen (Schuldezernat, Schulamt, ... ) und staatlichen Dienststellen (Schulaufsicht, Studienseminare, Regionalstelle Jugenheim des Pädagogischen Instituts Starkenburg, ... ) verstärkt den neuen medientechnischen Herausforderungen unserer Zeit stellen, damit die Nutzerinnen und Nutzer nicht in der immer mehr zunehmenden Datenflut untergehen.

Besonders heute sollte in Schule und Jugendarbeit der selbstbestimmte und kritische Umgang mit allen zugänglichen Medien (Medienkompetenz) als eigentliches Ziel der Medienpädagogik nicht verlorengehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Darmstädter Bildstelle werden zusammen mit der zuständigen Dezernentin, Frau Stadträtin Daniela Wagner, in dieser Richtung auch in Zukunft engagiert weiterarbeiten und sich bemühen, jederzeit ein aktuelles "Pädagogisches Medienzentrum" zu sein. Die Bildstelle muß dabei zunehmend ein Ort der Begegnung werden, wo der Gedanken- und Erfahrungsaustausch über den Einsatz von traditionellen und neuen Medien in Bildungsprozessen möglich ist. Der qualitative Aspekt der Medienberatung sollte zunehmend einen quantitativen Aspekt wie Verleihzahlen in den Hintergrund treten lassen. Damit diese Aufgabe auch nur annähernd erfüllt werden kann, wäre in Zukunft eine noch über das bisherige Maß hinausgehende personelle und finanzielle Ausstattung der Bildstelle durch Land, Stadt und Kreis sicherlich wünschenswert. Gerade in Zeiten schwindender öffentlicher Mittel sollten Prioritäten gesetzt werden - im Bildungsbereich.

Ulrich Bendel                        Darmstadt, im Mai 1998